Aktuelle Stahlpreise und Stahlpreisentwicklung

Stahlpreisentwicklung 2022 – Schwache Konjunkturerwartung lässt die Preise wieder sinken

Nachdem die Preise sich Mitte 2021 nach einer Rallye auf hohem Niveau stabilisierten, sorgte der Ukraine-Konflikt Ende Februar erneut für sehr hohe Stahlpreise. Nun sinken die Preise wieder rapide, was auf eine schwache Konjunkturerwartung zurückzuführen ist.

Verlauf der 1 Monatskontrakte für Stahl an der Rohstoffbörse LME. Die Stahlpreise sinken wieder. Quelle: LME.com

Nach Kriegsbeginn haben die Kurse an den Rohstoffbörsen für alle gehandelten Stahlsorten, sowohl für kurzfristige als auch langfristige Verträge, um ca. 50% zugelegt. Nun ist eine deutliche Trendumkehr eingetreten.

Eine Tonne (1.000 kg) Stahl kostet derzeit ca. 1.150€ (Preis für kurzfristige Verträge für Warmbandstahl an der Rohstoffbörse LME). Die Preise für längerfristige Verträge an der Börse haben noch deutlicher nachgegeben und sind inzwischen unter 1.000€ je Tonne.

Die Indikatoren an den Rohstoffbörsen sind vor allem für warmgewalzte Bleche, die in Automobilindustrie verwendet werden.

Für Stahlträger oder Stahlprofile gibt es solche Börsennotierungen nicht. In der Regel korrelieren die Preise aber sehr stark, so dass die Entwicklung der Stahlpreise daraus erkennbar ist. Für Stahlträger, Bleche und Stahlprofile gibt es auch verschiedene Indizes, die aber erst im Nachhinein veröffentlicht werden.

Preise für Stahlträger und Bleche

Stahlträger und grobe Bleche kosten derzeit ca. 1.500€ pro Tonne (1.000 kg). Dünnwandigere Profile und Bleche kosten ca. 2€ pro Kg. Die Preise sinken derzeit, es ist aber immer noch mit Lieferschwierigkeiten einiger Materialien zu rechnen.

In der Praxis ist Stahlbau derzeit teurer, als Mitte 2021 bei damals höheren Stahlpreisen. Der Grund sind hochvolatile und schwer nachvollziehbare Preise bei den Halbzeugen. Es kommt immer wieder vor, dass einzelne Materialien fehlen und dadurch die Kosten für den Stahlbau in schwindelnde Höhen treiben. Bei diesen spielt der Materialanteil eine immer wichtigere Rolle. Dies wirkt sich vor allem nachteilig auf Stahlbauer aus Osteuropa aus.

Viele metallverarbeitende Betriebe haben derzeit Probleme mit der Beschaffung der Rohmaterialien und müssen ihre Ressourcen nutzen um bestehende Aufträge abzuarbeiten. In weiterer Folge haben auch Industriebetriebe Schwierigkeiten neue Lohnfertiger zu finden.

Edelstahl Preisentwicklung 2022

Die Preisentwicklung von Edelstahl hängt maßgeblich von den Preisen der Legierungselemente Chrom und Nickel ab. In der am häufigsten verwendeten Edelstahlsorte 1.4301 (auch oft als V2A oder AISI 304 bezeichnet) sind ca. 18% Chrom und ca. 9% Nickel enthalten. Nickel ist mit aktuell ca. 27.000€ je Tonne (1.000kg) mehr als zehnmal so teuer als Stahl und hat somit gewichtet mindestens denselben Einfluss. Der Chrompreis liegt bei ca. 3.000€ je Tonne.

Bleche und Profile aus Edelstahl kosten derzeit ca. 6 € pro Kg.

Stahlpreis Prognose für 2022

Der Krieg in der Ukraine hat die Rohstoffmärkte erschüttert. Hinzu kamen kurzfristige Spekulationen mit steigenden Rohmaterialpreisen, die die Nachfrage weiter anheizten und viele Stahlverarbeiter motivierten, die Lager zu füllen. Nun ist die Gegenbewegung eingetreten und die allgemeine Konjunkturentwicklung sehr ungewiss. Eine Prognose zur Stahlpreisentwicklung für 2022 ist daher sehr schwierig.

Die Höchststände während der Corona Pandemie im Bereich von 2.000 € je Tonne (1.000 kg) wurden bisher nicht überschritten. Höhere Preise scheint der Markt nicht zu akzeptieren. Derzeit sieht es eher nach einem weiteren Rückgang aus, wobei die hohen Energie- und Rohstoffkosten, den Erzeugern nicht viel Spielraum geben. Es wird sich auch erst zeigen, inwieweit sich Lieferengpässe bei anderen Materialien und mögliche Probleme bei der Energieversorgung auswirken werden.

Hohe Frachtkosten verhindern internationale Konkurrenz am Stahlmarkt

Bei der Luftfracht gibt es seit den Sanktionen erhebliche Einschränkungen. Die Transporte aus Asien werden sich somit laut Branchenmagazinen weiter verteuern (Quelle). Selbiges gilt mit hoher Wahrscheinlichkeit auch für die Seefracht.

Der CCFI ist ein wichtiger Preisindex für den Containertransport-Markt für weltweite Container-Transporte von und nach China. Er ist derzeit nach wie vor in der Nähe seines Allzeithochs und liegt mehr als 3-mal so hoch als vor der Corona Pandemie. Durch die hohen Containerpreise ist der Import von Stahlerzeugnissen aus China in vielen Fällen unrentabel geworden. Viele Unternehmen weichen deshalb auf günstige , näher gelegene Fertigungsstandorte aus und importieren Stahlbau zollfrei aus den Westbalkanländern.

Frachtkosten Stahlpreise

Der CCFI im Verlauf der Corona Pandemie. Quelle Shanghai Shipping Exchange

Die Zinkpreise erhöhen die Kosten für verzinkten Stahlbau

Die Kosten für verzinkte Konstruktionen werden auch von anderer Seite weiter befeuert. Neben steigenden Energiekosten, stiegen auch die Zinkpreise. Auch hier scheinen die Höchstwerte überwunden zu sein.
So kostete an der Börse eine Tonne Zink zuletzt ca. 3.000€, nach einem kurzfristigen Peak bei ca. 4.000€. Vor einem Jahr lagen die Preise noch bei rund 2.000€ pro Tonne. Bei verzinktem Stahlbau machen die Kosten für das Verzinken bis zu 25% des Gesamtpreises aus.

Aktuelle Fertigungskapazitäten

Nach wie vor sind viele Lieferanten für Stahlbau bereits für die nächsten Monate ausgebucht und bieten nur mehr sehr selektiv an.
Das führt leider auch dazu, dass für einige Projekte, vor allem Einzelprojekte mit hohem Kalkulationsaufwand, kaum noch Angebote erstellt werden können.
Bei Serienbauteilen oder einfachen Konstruktionen, wie Hallen, Bühnen oder Podesten ist das Interesse der Lieferanten höher. Hier liegen die Lieferzeiten derzeit bei mindestens 6-8 Wochen.

Unsere Lieferanten haben aktuell noch freie Kapazitäten! Schicken Sie uns Ihre Anfrage!

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Über den Autor

  • Andreas Janisch

    Gründer - Warengruppen: Stahlbau, Dreh- und Frästeile, Blechbearbeitung

    Andreas Janisch, Gründer von Jactio.com, ist Wirtschaftsingenieur mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in Maschinenbau, Anlagenbau und im Bauwesen.

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